Bernd van Meer

Schon seit den ersten Tagen in 2001 ist er mit von der Partie. Der studierte Kunstpädagoge, Fotograf und leidenschaftliche Brillenträger, Bernd van Meer, prägt von Anfang an den Stil, Layout und Design des Spectaris Trendforums.

Bernd van Meer

Bernd van Meer Grafiker (u.a. des Mauer-Magazins und des Trendforums), Fotograf, Dozent

1989 lebte und arbeitete ich bereits seit vier Jahren auf der „verrückten Insel Westberlin“. Die Mauer war da, rundherum, man lebte mit ihr. Oder besser: man hatte sie zähneknirschend akzeptiert, irgendwie. Das Nervigste war die Fahrt über den Transit nach Westdeutschland.

 

Und dann kam der 9. November.
Ich erinnere mich noch, dass ich am Abend mit einem Freund „um die Häuser“ gezogen bin, in Schöneberg, wo ich damals wohnte. Zu später Stunde fuhr besagter Freund mit dem Taxi nach Hause in den Wedding. Von einer Telefonzelle unterwegs rief er mich an: „Du, habe gerade im Autoradio gehört, dass die die Mauer aufgemacht haben. Auf dem 17. Juni ist der Teufel los. Schnapp dir deine Kamera, setz dich ins Taxi, wir treffen uns an der Siegessäule.“

Gesagt, getan. Am Großen Stern war kein Durchkommen mehr. Polizei, der erste Trabbi- Konvoi, eine johlende Menschenmenge. Im Laufschritt zur Mauer vor dem Brandenburger Tor. Wahnsinn, wir wussten nicht, wie uns geschah! Unzählige Menschen vor und auf der Mauer, man lag sich in den Armen, Sekt und Freudentränen flossen in Strömen, jeder redete mit jedem. Manche hatten Hammer und Meißel dabei und brachen die ersten Stücke aus der Mauer. Euphorisches Chaos und die West- und Ost-Polizisten feierten mit.

Wir sind natürlich auch auf die Mauer geklettert, man half sich gegenseitig. Fotos gemacht, Rotkäppchensekt getrunken, vor Freude geweint. Und nachts noch mit den „neuen Brüdern und Schwestern“ zu Fuß zum Bahnhof Zoo, Burger essen und Coca Cola trinken bei McDonalds.

Und die Zeit danach: „Westberlin“ und „Ostberlin“ waren nur noch Richtungsangaben, die Transitautobahn war wieder frei befahrbar, die Grenzkontrollanlagen verwaist… Und die nicht immer leichte Zeit wirklichen Kennenlernens und gegenseitiger Akzeptanz begann.

Ich selbst verließ im Januar 1990 Deutschland und ging für ein Jahr nach Mexiko. Ich hatte einige Bruchstücke der Berliner Mauer als Gastgeschenke im Gepäck.

mauer_89_1